Vielleicht bist du hier gelandet, weil dir das Wort Neurodivergenz gerade überall begegnet. In einem Podcast, unter einem Instagram-Post oder in einem Gespräch, bei dem du plötzlich dachtest: Moment. Davon kommt mir ziemlich viel bekannt vor.
Und jetzt? Musst du dein ganzes Business neu bauen? Brauchst du erst ein Etikett, bevor du etwas anders machen darfst? Ich würde gern einen Schritt früher anfangen: bei deinem Alltag und der Frage, was darin gerade schwer ist.
Was bedeutet Neurodivergenz?
Neurodivergenz ist ein beschreibender Sammelbegriff für Unterschiede in der Funktionsweise des Gehirns. Er ist selbst keine medizinische Diagnose; unter anderem werden ADHS und Autismus darunter eingeordnet. Die Begriffsgrenzen sind nicht einheitlich festgelegt. So erläutert es auch die Cleveland Clinic.
Für meine Arbeit ist der Begriff eine Einladung, genauer hinzusehen. Er erklärt nicht automatisch, warum eine bestimmte Person etwas tut. Zwei Menschen, die sich beide als neurodivergent beschreiben, können völlig unterschiedliche Arbeitsbedingungen brauchen.
Was hat das mit deinem Business zu tun?
Eine Menge, sobald wir über die konkrete Arbeit sprechen. Wann finden Gespräche statt? Wie verständlich sind Aufgaben? Wie viele offene Projekte hängen gleichzeitig an dir? Wie viel Wechsel zwischen Menschen, Themen und Technik steckt in deinem Angebot?
Stell dir eine selbstständige Designerin vor, die Kundengespräche liebt, aber nach mehreren Terminen keine Entwürfe mehr anfassen möchte. Vielleicht wäre es sinnvoll, Gesprächszeiten und Entwurfsarbeit anders zu verteilen. Bei einer anderen Person würde genau diese Aufteilung die Woche unerträglich starr machen.
Das Beispiel zeigt, warum ich keine neue Schablone verteilen möchte. „Neurodivergent“ auf eine Standardroutine zu schreiben, macht sie noch nicht passend.
Wir dürfen auch das System befragen
In der Philosophie von bright.up steht der Gedanke, zuerst auf das System zu schauen, bevor wir den Menschen zum Problem erklären. Damit meine ich ganz praktische Dinge: Abläufe, Erwartungen, Angebotsumfang und die Verteilung von Verantwortung.
Wenn Kundinnen nicht wissen, was sie buchen können, hilft dir vielleicht ein verständlicherer Angebotstext. Wenn du ständig zwischen fünf Kommunikationskanälen wechselst, brauchen wir möglicherweise eine Vereinbarung dazu. Und wenn du gesundheitlich belastet bist, verdient das eigene Aufmerksamkeit und passende Unterstützung.
Diese Ebenen dürfen nebeneinander existieren. Ein gutes Geschäftsmodell löst nicht jede Belastung. Und eine Belastung macht deine Fähigkeiten nicht bedeutungslos. Mir ist wichtig, dass du beides sagen darfst: „Ich kann etwas“ und „Hier brauche ich Hilfe“.
Ergänze diesen Satz mit einer konkreten Situation: „Meine Arbeit würde leichter, wenn …“ Lass die Frage, ob du das schon immer hättest schaffen müssen, für diesen Moment weg.
Häufig gefragt
Kann ein Selbsttest Neurodivergenz feststellen?
Ein Fragebogen kann Anstöße zur Selbstbeobachtung geben. Er stellt keine ADHS- oder Autismusdiagnose. Auch mein Freebie „Wie neurodivergent bist du?“ ist als Reflexionsangebot gedacht.
Was bedeutet „nervensystemfreundlich“ bei bright.up?
Ich meine damit eine Gestaltungsrichtung: Bedürfnisse, Belastungsgrenzen und Erholung im Leben berücksichtigen. Das ist kein geschütztes Therapieverfahren und kein Versprechen, Beschwerden zu heilen. Mehr dazu findest du in unserer Vision.
