Ich habe lange nach einer Erklärung gesucht, warum manches bei mir so viel Kraft kostet. Ich habe Bücher gelesen, Coachings gemacht, Kurse besucht und verschiedene Business-Modelle ausprobiert. Von außen gab es vieles, das nach „läuft doch“ aussah. Innen fühlte es sich oft ganz anders an.

Zu meiner Geschichte gehören auch Burnout und eine Erschöpfungsdepression. Später kamen die Diagnosen ADHS und Autismus dazu. Das erzähle ich, weil diese Erfahrungen meinen Blick auf Arbeit geprägt haben. Es ist meine Geschichte; sie ist kein Fahrplan dafür, wie es anderen gehen muss.

Warum ADHS bei Frauen spät erkannt werden kann

Ein wissenschaftliches Konsensuspapier zu ADHS bei Mädchen und Frauen beschreibt unter anderem weniger auffällige Erscheinungsformen, kompensierende Strategien und Verzerrungen bei der Überweisung zur Diagnostik. Steigende Anforderungen können Schwierigkeiten deutlicher sichtbar machen. Das Papier bündelt Forschung und fachliche Einschätzungen; es ist keine einzelne Wirksamkeitsstudie.

Das bedeutet nicht, dass alle Frauen dasselbe erleben oder dass eine erfolgreiche Ausbildung ADHS ausschließt. Es lädt dazu ein, genauer nach dem Aufwand hinter sichtbaren Ergebnissen zu fragen. Was hat es gekostet, pünktlich zu sein, die Aufgabe abzugeben oder nach außen souverän aufzutreten?

Ein anderes Bild auf der Puzzleschachtel

In einem meiner eigenen Texte habe ich das Bild eines Puzzles benutzt: Ich hatte viele Teile, aber offenbar orientierte ich mich am falschen Bild auf der Schachtel. Dieses Bild beschreibt meine Suche ziemlich gut.

Ich konnte für andere Zusammenhänge erkennen und Struktur schaffen. Gleichzeitig habe ich bei mir selbst an Stellen gerungen, an denen ich dachte, es müsse doch längst leichter gehen. Das nebeneinander stehen zu lassen, war für mich wichtig. Fähigkeiten und Schwierigkeiten passen durchaus in dieselbe Person.

Ich möchte daraus kein glattes „Dann kam die Diagnose und alles war gut“ machen. Die Fragen an das eigene Leben verschwinden nicht durch ein neues Wort. Aber es können andere Fragen werden: Was brauche ich? Was war bisher unnötig schwer? Welche Erwartungen möchte ich weitertragen?

Was sich daraus für mein Business ergibt

Heute interessiert mich bei einem Angebot auch, wie es sich leben lässt. Wie sieht ein gewöhnlicher Dienstag damit aus? Wie viel Vorbereitung fällt an? Wo bleibt Raum für Familie, Erholung und Dinge, die keinen Umsatz erzeugen?

Ich finde diese Fragen gerade dann wichtig, wenn du beruflich schon viel aufgebaut hast. Du musst deine bisherigen Leistungen nicht entwerten, um Schwierigkeiten ernst zu nehmen. Und du musst deine Geschichte nicht sofort öffentlich erzählen, nur weil du neue Worte dafür gefunden hast.

Ein Gedanke zum Mitnehmen

Vielleicht gibt es etwas, das nach außen selbstverständlich aussieht und dich viel Kraft kostet. Du darfst diesen Aufwand zunächst für dich benennen. Ohne sofort die perfekte Lösung dazu liefern zu müssen.

Häufig gefragt

Habe ich ADHS, wenn ich mich hier wiedererkenne?

Wiedererkennen kann ein Anlass für weitere Fragen sein. Eine Diagnose lässt sich daraus nicht ableiten. Eine qualifizierte Diagnostik berücksichtigt deine Entwicklung, verschiedene Lebensbereiche und andere Erklärungen.

Muss ich nach einer Diagnose alles verändern?

Du musst aus neuer Selbsterkenntnis kein weiteres Großprojekt machen. Was du verändern möchtest und welche Unterstützung du brauchst, darfst du Schritt für Schritt klären. Mehr über meine Perspektive findest du auf Über uns.