Du möchtest selbst bestimmen, wann du arbeitest, mit wem und woran. Und dann sitzt du vor deinem eigenen Business und merkst: Jetzt bin ich auch die Person, die Rechnungen hinterherläuft, Entscheidungen trifft und daran denkt, dass dieses Angebot irgendwann raus muss. Huch. So war das mit der Freiheit eigentlich nicht gemeint.
Ich kenne die Suche nach einem Arbeitsleben, das zu mir passt. Ich habe mich mit Coaching, Design, Immobilien und Online-Business beschäftigt. Dabei habe ich viel gelernt. Unter anderem, dass ein Geschäftsmodell auf dem Papier großartig aussehen kann und trotzdem im eigenen Alltag ständig irgendwo drückt.
Ist Selbstständigkeit mit ADHS eine gute Idee?
Sie kann dir Gestaltungsspielraum geben. Ob sie zu dir passt, hängt aber auch von deinem Angebot, deiner finanziellen Situation, Unterstützung und den Anforderungen deiner Arbeit ab. Eine Diagnose beantwortet diese Entscheidung nicht für dich.
Bei Erwachsenen mit ADHS können unter anderem Organisation, Zeitmanagement und das Fertigstellen von Aufgaben schwierig sein. Wie stark und in welchen Situationen, ist individuell. Das beschreibt auch die Fachinformation des NIMH zu ADHS im Erwachsenenalter.
Für ein Business heißt das für mich: Wir dürfen genauer hinschauen, welche Arbeit tatsächlich anfällt. Ein Onlinekurs bedeutet beispielsweise auch Kundenfragen, Aktualisierungen und Verkauf. Die hübsche Kursplattform erledigt das leider nicht alles nebenbei. Selbst wenn sie wirklich sehr hübsch ist.
Freiheit braucht ein paar gute Vereinbarungen
Stell dir vor, du bietest Beratung an. Fachlich bist du sicher. Was dich erschöpft, sind die Nachrichten zwischen den Terminen: eine Sprachnachricht hier, eine Rückfrage dort, zwischendurch noch schnell Instagram. Am Abend warst du den ganzen Tag erreichbar und hast deine eigentliche Arbeit kaum berührt.
Dann würde ich zuerst fragen: Welche Kontaktwege hast du zugesagt? Wann antwortest du? Wissen deine Kundinnen und Kunden das? Vielleicht braucht es an dieser Stelle eine verständliche Vereinbarung und einen gemeinsamen Ort für Rückfragen.
Das ist eine Möglichkeit, dein Arbeitsumfeld zu gestalten. Ob sie dir hilft, zeigt dein Alltag. Du musst daraus keine neue Regel machen, die du anschließend gegen dich verwendest.
Dein Business darf mit dir rechnen
Wenn ein Angebot nur funktioniert, solange du jeden Tag über deine Grenzen gehst, gehört diese Belastung mit in die Rechnung. Genauso wie Vorbereitung, Übergänge und Zeit, in der du wieder zu dir kommst. Die verschwinden nicht, nur weil sie auf einer Salespage schlecht aussehen würden.
Ich wünsche mir Unternehmen, in denen beides Platz hat: der Wunsch, gutes Geld zu verdienen, und ein Leben, das sich auch nach Feierabend noch nach Leben anfühlt. Dafür müssen wir nicht jedes Interesse zum Produkt machen. Manches darf einfach Freude bleiben.
Welche wiederkehrende Situation kostet dich gerade unverhältnismäßig viel Kraft? Beschreibe sie möglichst konkret. „Ich bin chaotisch“ ist ein Urteil. „Rückfragen kommen über vier Kanäle“ ist etwas, an dem du arbeiten kannst.
Häufig gefragt
Welches Business eignet sich für Menschen mit ADHS?
Es gibt kein Geschäftsmodell, das allein durch ADHS automatisch passend wird. Schau auf deine Fähigkeiten, die Nachfrage und den tatsächlichen Arbeitsalltag hinter dem Angebot.
Kann eine Community dabei helfen?
Ein gemeinsamer Rahmen kann das Dranbleiben und den Austausch erleichtern. Im bright.minds Business Tribe gibt es dafür unter anderem Co-Working und Q&A. Individuelle Beratung und gesundheitliche Versorgung haben jeweils ihren eigenen Platz.
Dieser Text verbindet meine Business-Perspektive mit verlinkter Fachinformation. Er ist keine diagnostische Einschätzung oder Behandlungsempfehlung.
